Perlen der Playstation 1: Test Drive 4
filed in Gaming, PlayStation 1, Retro on Jan.17, 2010
Die Marke “Test Drive” gehört nach wie vor zu den Klassikern des Racing-Genres. Sein Debut feierte die Serie 1987 auf dem C64, Apple II, Atari und auch als DOS-Version. Teil Zwei erschien auch auf den genannten Systemen und kam 1989 zusätzlich ua. auf dem SNES raus. Teil Drei erschien 1990 ausschließlich für DOS und Teil 4 erstmalig 1997 auf der PSX und für Windows. Entwickelt im ehemaligem Hause “Accolade” (1999 von Infogrames/Atari aufgekauft) gehört “Test Drive” heute zu den ältesten ihres Genres
Die eigentliche Geschichte von Test Drive, handelt vom Ausfahren diverser Testwagen. Sie müssen sicher und so schnell wie möglich von A nach B gebracht werden. Es ist eine reine Schlacht auf den Straßen, denn jeder will der Erste sein. Weil diese Rennen natürlich illegal sind, es sei denn – man hält sich an das Tempolimit, werfen die Cops ein Auge auf Euch. Ist man zu schnell, kleben sie an der Stoßstange. Theoretisch hat man zwei Möglichkeiten, entweder anhalten lassen – was jede Menge Zeit und Plätze kostet, oder man versucht sie abzuhängen.
Test Drive ist quasi das Original, was später Need For Speed ein wenig kopierte. Wilde Hatz auf öffentlichen Straßen mit absolut teuren Luxus-Kisten und irren Verfolgungsjagden mit den Cops. Man muss als erster das Ziel erreichen, hat ständig das Gesetz im Nacken und zusätzlich sind die Straßen voll von zivilen Fahrzeugen. Auch ein Markenzeichen der Serie, man hat immer versucht das Handling der Fahrzeuge so realistisch wie möglich zu gestalten, was mit den damaligen Mitteln scheinbar gut funktionierte.
Accolade wollte auf der Playstation zeigen, was man aus Rennspielen machen kann. Hochpolierte Luxus-Kisten wie Chevrolet Corvette, Dodge Viper GTS, Nissan 300ZX, Jaguar XJ 220 und TVR Cerbera wollen ans Ziel gebracht werden. Das ist aber noch nicht alles, denn wir dürfen auch mit Muscle Cars rumheizen, wie Shelby Cobra 427, ’71 Plymouth Hemi Cuda, ’69 Chevrolet Corvette 427, ’69 Chevrolet Camaro ZL1 und den ’70 Cheverolet Corvette SS 454.
Das ist ein stolzer Fuhrpark und jedes Fahrzeug hat seine eigene fast originelle Fahreigenschaft.
In Test Drive 4 stehen verschiedene Spielmodi zur Verfügung. Beim klassischen Einzelrennen kann man sich die Strecken und das Fahrzeug aussuchen und einfach mal drauf los spielen. Danach gilt es diverse Meisterschaften zu absolvieren. Hier werden die Strecken vorgegeben und man muss in der Gesamtwertung zum Schluss auf Platz 1 stehen, sodass diese Challenge als abgeschlossen gilt. Und zu guter Letzt etwas, was auch Need For Speed viel später übernahm: die so genannten Drag Rennen. Hier duelliert man sich auf einer Kurzstrecke mit manueller Schaltung.
Was die Präsentation angeht, da gestaltet sich Test Drive 4 ziemlich schlicht. Von einem hässlichen und ruckelndem Intro-Video über gähnend langweilige Ladebilder (es ist immer das gleiche olle Bild zu sehen) bis zur langweilig öden Menüführung. Man merkt, dass diese Sachen wohl eher sekundär wichtig waren für Accolade.
Dafür siehts technisch ganz anders aus. Test Drive 4 bietet wunderschöne modelierte Autos, tolles, detailiertes und abwechslungsreiches Streckendesign und macht grafisch einen sehr starken Einsdruck. Besonders hervorzuheben ist, dass das Ganze ohne einen einzigen Ruckler oder Slowdowns von der Bühne geht. Selbst Polygon-Gewitter und derbe Textur-Verzerrungen hat das Spiel voll im Griff. Man kann schon sagen, es ist astrein.
Leider siehts beim Thema KI oder Balancing schon wieder anders aus. Ich kann mich noch gut erinnern, dass es selbst für damalige Verhältnisse verdammt schwer war – und das heisst was. In der heutigen verweicheierlichten Zeit des Zurückspulens, AutoLenken und AutoBremsen ect ect ist das für den “Neuzeit-Racing-Nerd” sowieso eines der unspielbarsten Titel.
Die KI ist knochenhart und glücklicherweise ab und zu nicht ganz perfekt. Sie fahren so ziemlich immer schneller als der Spieler, selbst wenn man die schnellste Kiste aus dem Spiel wählt. Ja, auch können die immer schneller und immer perfekter – ohne zu bremsen natürlich – die härtesten Kurven fahren, und das kann ziemlich frustrierend sein. Aber glücklicherweise ist die KI ab und zu genauso bescheuert und kann nicht jedes ziviles Fahrzeug ausweichen und heizen volle Wucht rein. Passiert einem das selber, gibt es nicht die Möglichkeit per Tastendruck den Wagen zurückzusetzen. Nö – der muss sich ausrollen oder ausdrehen, bis man wieder fahren darf. Erst nach zehn (!) Sekunden, sollte man da immer noch durch die Gegend fliegen/drehen/rollen, ploppt der Wagen auf die Straße und man darf weiterfahren. Wie oft habe ich wegen so ner Situation den Controller beinahe aufgefressen, weil mich dann immer – nahezu alle Gegner überholten und man kaum noch ne Chance hat, Erster zu werden *arrrrgh*.
Fazit: Auch wenn Test Drive 4 ein harter Racing-Brocken ist, es macht trotzdem Spaß. Ich weiss nicht wieso, aber ich verspüre immer wieder den Drang es erneut zu versuchen. Ich habs trotz alledem, damals wie heute noch nicht geschafft, durch zu spielen. Ist auch nicht schlimm – die Bonuswagen und die Bonus-Strecken kann man dann per Cheat freischalten *pff*.
Tolle Grafik, ansprechender Sound und eigentlich das beste Racing-Gameplay was es gab, machen Test Drive 4 aus. Wäre da die scheiss schwere KI nicht, würde mich das Spiel bestimmt deutlich länger unterhalten. Sei´s drum, wer auf Geschwindigkeit und coole Autos steht, der ist mit diesem Spiel gut bedient.





September 5th, 2010 on 20:11
interessanter Beitrag. Endlich mal ein deutscher Beitrag über dieses Thema.